200 Jahre Schierholz- Porzellan

Plauescher Traditionsverein e.V.

Veransaltungen, Kirmes, Heimatpflege seit 1998

Der erste Porzellanbrand der Manufaktur erfolgte am 11. April 1817. Und am 29. Dezember erhielten Heuäcker und Schierholz die Konzession zur alleinigen und ausschließlichen Herstellung von Gesundheitsgeschirren.

 

Schon damals stellte man 500 verschiedene Artikel her. Neben medizinisch-technischem Porzellan – wie wir es heute bezeichnen – wurde das Sortiment schon bald durch Rezeptbeschwerer und Parfümeriegefäße ergänzt. Die Tierfiguren auf diesen Rezeptbeschwerern und die barocken Deckel- und Henkelformen der Flacons, Fläschen und Dosen deuteten bereits die künstlerische Richtung an, in der sich die weitere Entwicklung der Manufaktur vollziehen sollte.

200 Jahre

Porzellanmanufactur Plaue 1817-2017

 

am 19.08.2017 Schützenplatz Plaue

 

Porzellanmanufactur Plaue

 

Im Jahre 1816 fassten die Gebrüder Johann Carl Rudolph und Dr. Johann Ferdinand Gottlob Heuäcker den Entschluss, in Plaue eine Porzellanmanufaktur zu gründen. Porzellan war ihnen offensichtlich ein vertrauter Werkstoff, denn sie waren Enkel des Johann Wolfgang Hammann, der 1762 in Katzhütte einen Porzellanbetrieb gegründet hatte. Da Dr. Heuäcker bereits im gleichen Jahr starb, wurde der in Arnstadt ansässige Kaufmann und spätere Landkammerrat Christian Gottfried Schierholz als Kompagnon gewonnen.

 

Obwohl am Beginn eine Hürde zu nehmen war - die der Bestimmungen des 1814 entstandenen Preis- und Konditionenkartells, das sieben Thüringer Fabriken zusammenschloss. Diesem ersten Marktverband deutscher Fertigwarenproduzenten, ging es in erster Linie um die Schaffung monopolähnlicher Produktions- und Absatzbedingungen. Unter diesem Druck hatten es neue Gründungen schwer.

 

Nicht so Plaue, denn hier stellte man nahezu ohne Konkurrenz nur Gesundheitsporzellan her, wofür ein großer Bedarf bestand. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden einige Aufsehen erregende naturwissenschaftliche Entdeckungen gemacht, die den chemischen und pharmazeutischen Fabriken, die neben Apotheken zu den Hauptabnehmern der Manufaktur gehörten, einen kräftigen Schub nach vorn gaben.

 

Der erste Porzellanbrand der Manufaktur erfolgte am 11. April 1817. Und am 29. Dezember erhielten Heuäcker und Schierholz die Konzession zur alleinigen und ausschließlichen Herstellung von Gesundheitsgeschirren.

 

Schon damals stellte man 500 verschiedene Artikel her. Neben medizinisch-technischem Porzellan – wie wir es heute bezeichnen – wurde das Sortiment schon bald durch Rezeptbeschwerer und Parfümeriegefäße ergänzt. Die Tierfiguren auf diesen Rezeptbeschwerern und die barocken Deckel- und Henkelformen der Flacons, Fläschen und Dosen deuteten bereits die künstlerische Richtung an, in der sich die weitere Entwicklung der Manufaktur vollziehen sollte.

 

Die für PLAUE heute so typischen Blumenbeläge entstanden in dieser Zeit. So allmählich und von der Konkurrenz unbemerkt, wandte sich die Manufaktur, die seit 1818 im Alleinbesitz des C.G. Schierholz war, immer mehr dem künstlerisch gestalteten Porzellan zu.

 

Seit 1823 offerierte das Unternehmen regelmäßig zu den Leipziger Messen die große Zahl und die Schönheit seiner Modelle. Damals und in den darauf folgenden Jahrzehnten entstand, was den guten Ruf entscheidend mitbestimmte.

 

Vor allem als in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts erstmals in Paris und Berlin Lithophanien angeboten wurden. Lithophanien sind hauchdünne, unglasierte Porzellanplatten mit lichtdurchlässigen Gravuren. Ihre kunstvollen Bilder, z. B. höfische Szenen, Landschaften, Tiere oder historische Persönlichkeiten werden bei Gegenlicht plastisch sichtbar. Es war eine Modeerscheinung dieser Zeit, sie als Lichtschirme zu verwenden oder als Schmuck in die Fenster zu hängen. Um 1849 stellte man sie auf Anregung von Gottfried Henklein in der PORZELLANMANUFACTUR PLAUE her.

 

Als 1865 die Beschränkung auf die Fertigung medizinischen Porzellans offiziell aufgehoben wurde, war durch die künstlerische Ausrichtung der Fortbestand der Manufaktur sichergestellt.

 

Heute noch besteht die große Kunst der PORZELLANMANUFACTUR PLAUE darin, Porzellantische, Tafelaufsätze, Dosen, Leuchter und große Schalen herzustellen. Im Barock- oder Rokokostil bestechen sie durch kunstvollste Bemalung. Sie reicht vom kobaltveredelten Blumenmotiv einer Schale bis zur filigran dekorierten Putte einer Potpourrivase.

 

Seit 1995 gehört die PORZELLANMANUFACTUR PLAUE zur 1794 gegründeten „Königlich privilegierten Porzellanfabrik Tettau“ und stellt Ihre Kunstwerke zusammen mit den „Porzellanmanufakturen Scheibe-Alsbach“ und „Unterweissbach“ im Gebäude der „Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur“ in Rudolstadt/Volkstedt her.

 

 

Plaue / Porzellankunst & Künstler

 

Als Plaue als Standort einer Manufaktur erwählt wurde, zeigte sich schon bald, wie gut diese Wahl gewesen war. Plaue lag verkehrsgünstig, ein entscheidender Vorzug gegenüber den abgelegenen „Waldfabriquen“. Auch Rohstoffe und Arbeitskräfte standen zur Verfügung und Brennholz war ausreichend vorhanden. Christian Gottfried Schierholz besaß in der Nähe ein Rittergut, das er hart kalkulierend, 1821 in den Manufakturbetrieb einbezog. Dort in Dornheim wurde modelliert und geformt, später auch Weißware bemalt. Frauen und Kinder übernahmen den Transport der Ware zwischen Plaue und dem Gut. Bruch ging jedoch zu deren Risiko.

 

In Plaue begann die Porzellanproduktion mit dem sogenannten Gesundheitsgeschirr. Die Kozession zur alleinigen und ausschließlichen Produktion von pharmazeutischem, sanitärem und chemischen Porzellan bescherte Plaue gute Absätze, denn die Forschung in diesen Bereichen nahm in dieser Zeit einen bisher unbekannten Aufschwung.

 

Dieser Anfang war wegweisend für das spätere Manufaktur-Sortiment von Plaue, denn aus mit Figuren oder Blumenbelag verzierten Parfümeriegefäßen entwickelte sich von der Konkurrenz unbeachtet die Produktion von Zierporzellan. Dieser allmähliche Übergang zur Herstellung von Haushalt- und Zierporzellan erfolgte bereits mit Beginn der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts. In Archiven ist zu lesen, daß beispielsweise im Juni 1821 an einem einzigen Tag der Brand von 1309 Stück dekorierten Zier- und Gebrauchsporzellan erfolgte. In diesem Monat ist an 20 Tagen gebrannt worden und auch die bisherige Produktion lief weiter.

 

Mit dieser Hinwendung zu künstlerisch gestalteten Porzellan und wirtschaftlicher Erstarkung hatte Plaue die Konzession und damit die Beschränkung auf das „Gesundheitsgeschirr“ nicht mehr nötig. Die Aufhebung dieses Monopols, das am 18. März 1865 durch das Recht, auch „wirkliches“ Porzellan zu produzieren, in Kraft trat, gestatte der Firma Schierholz nun auch offiziell, sich ganz der künstlerischen Porzellanherstellung zu widmen.

 

Verglichen mit den Erzeugnissen der anderen sächsisch-thüringischen Porzellanmanufakturen, spielt figürliches Porzellan im Sortiment der PORZELLANMANUFACTUR PLAUE bis heute nicht die Hauptrolle. Vorrangig finden sich im Angebot Potpourrivasen, Tafelaufsätze sowie Leuchter im Stile des Barock und Rokoko. Die vollendete Modellierung, der reiche Blumenbelag und die filigrane Malerei verziert auch dazu passende Dosen, Schalen, Körbchen und Teller.

 

Ab etwa 1840 entstand der Fundus an Formen, den die Manufaktur heute noch bewahrt und pflegt und nach denen heute noch gearbeitet wird.

 

Schierholz konnte gut ausgebildete und künstlerisch erfahrene Mitarbeiter gewinnen. Ihre Schöpfungen begründeten die Tradition so mancher, heute weltweit geschätzter Spezialität. Wie die Initiative des Gottfried Henklein, der in PLAUE von 1842 bis 1850 arbeitete. Er begann in PLAUE mit der Herstellung der sogenannten Lithophanie-Platten (griech. lithos - der Stein, phanos - transparent), die 1828 in Paris und Berlin entwickelt worden waren.

 

Das Besondere an diesen Platten war, daß die Darstellungen sich nicht auf der Oberfläche des Materials befanden, sondern wie in das Porzellan eingraviert wirken. Durch Gegenlicht werden die Motive sichtbar und erscheinen überaus plastisch. Henklein schuf die erste Reihe dieser schönen Lithophanien - auch eingearbeitet in Porzellan-Lampenschirme. Die Begeisterung hierfür war riesig. Überall in den Wohnungen gab es plötzlich Lichtschirme oder Leuchten mit Darstellungen von Landschaften, mythologischen oder höfischen Szenen, Schutzengeln, Kinderidyllen oder romantischen Tierszenen.

 

Viele Motive, die unter anderem nach Gemälden von Watteau, Bouchèr, Ludwig Richter und Murillo entwickelt wurden, sind vertreten. Auch historische Figuren wie Friedrich II. und Napoleon, Goethe und Schiller, usw. wurden als Porträit in Porzellan verewigt. Berühmte Bauwerke wie Schloß Neuschwanstein (Modell-Nummer PLP 2148), Landschaften, Burgen (Modell-Nummer P7042/A2/7034/B-337-N) finden sich auf Lithophanie-Leuchten wieder.

 

1855 kam Karl Wilhelm Herrmann John als Modelleur ins Schierholzsche Unternehmen. John erfuhr seine Ausbildung an mehreren deutschen Kunstschulen. Der in Arnstadt Geborene war der Bruder von Eugenie John, die unter dem Pseudonym E. Marlitt durch zahlreiche Romanabdrucke in der „Gartenlaube“ bekannt geworden war. Aus persönlicher Neigung beschäftigte sich John nicht nur mit dem Modellieren, sondern auch mit der Kunst des Staffierens und des Malens. Das von ihm Geschaffene kündigte bereits die Meisterschaft, vor allem im Stil des Barocks und des Rokokos an, zu der Plaue wenig später schon fähig sein sollte.

 

In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann man auch mit der Herstellung von Gebrauchsgeschirr. Zu den Leipziger Messen wurden Tassen, Teller, Pfeifenköpfe, Butterdosen und Tabakdosen offiert.

 

Der für die Manufaktur wohl bedeutendste Künstler war Edmund Haase, der von 1884 bis zu seinem Tode im Jahre 1917 in Plaue tätig war. Haase erhielt an der Münchner Kunstakademie eine bildhauerische Ausbildung. Er soll an der Ausgestaltung des Schlosses „Neuschwanstein“ beteiligt gewesen sein, das nach dem Willen Ludwigs II von Bayern ein „Tempel für Richard Wagner“ werden sollte.

 

Haase hinterließ PLAUE die schönsten Rokokomodelle und er ersann in unerschöpflich vielen Variationen Blumenmotive für die berühmt gewordenen Plauer Blumenbeläge. Bisher konnten 125 verschiedene durch ihn entwickelte Motive nachgewiesen werden. (Modell-Nummer P759-337-N).

 

Um 1900 erschuf Haase eine weitere Besonderheit - die bekannten Charakterbierkrüge mit mehr als 120 verschiedenen Originalmodellen, die auch heute noch in teilweise limitierten Stückzahlen ausgeformt werden. Die Formenvielfalt beinhaltet Tiere (z.B. Wildschwein PBK 105-BT oder Fuchs PBK 127-BT), Persönlichkeiten (z.B. Amerikaner PBK 56-BT), Pilze (z.B. Pilz PBK 57-BT), Scherzkrüge und andere Genres.

 

Auch die Arbeiten des Modelleurs Oskar Sieder trugen entscheidend zur Blütezeit der Porzellanmanufaktur bei. Er kam schon 1873 nach PLAUE und war hier bis 1913 tätig. Er und Edmund Haase entwarfen dem Unternehmen viele Erfolgsformen, die auch heute noch angeboten werden.

 

Karl Schiller, Löffler und Franz Schröder leisteten auf dem Gebiet der Porzellanmalerei beachtliches. Ihr Können mehrte den guten Ruf der Schierholzschen Manufaktur. Durch sie haben Stücke, die zu Recht als Spezialität gelten, ihre malerische Ausprägung erfahren. Die Plauer Blumenmalerei steht heute noch dafür als beredtes Beispiel.

 

Die um die Jahrhundertwende entworfenen und modellierten Jugendstilmodelle (Modell-Nummer P1026-WGC) werden auch in heutiger Zeit wieder hergestellt. Sie entsprechen selbst in der Malerei den damaligen Entwürfen. Von diesen Modellen geht ein Zauber der Ursprünglichkeit aus, wie ihn nur Stücke haben können, die im direkten Erlebnis der schwelgenden Linien, Formen und Farben des Jugendstil hervorgebracht wurden.

 

Im Jahre 1894 erhielt PLAUE die Goldmedaille der Thüringer Gewerbe- und Industrieaustellung in Erfurt.

 

Und 1911 fanden auf der Weltausstellung in Turin besonders Plauer Tafelaufsätze ein anerkennendes Publikum.

 

Die Manufaktur hatte nicht zuletzt durch die Arbeit ihrer Künstler wirtschaftlichen Erfolg. Und so konnte sich die Direktion den Ankauf von Modellen freischaffender Plastiker gestatten. Das unterdessen beträchtlich angewachsene Formenrepertoire wurde nun durch Tierplastiken von Bruno Schäfer und durch Modelle der Münchener Bildhauerin Vera von Martels bereichert. Auch Gustav Gossenberg mit seinen bemerkenswerten Tierstücken ist zu nennen. Er war als Modelleur von 1927 – 1951 beschäftigt.

 

Aber den eigentlichen Erfolg errang PLAUE mit seinen Spezialitäten: Lithophanien als entzückende Leuchten, Deckenleuchter von 4- bis 12-flammig, Tisch- und Wandleuchter - auch mit spielenden Puten versehen - verwandeln einen Raum in einen Saal, dessen Einrichtung mit Spiegeln und Konsolen erweitert werden kann. Durch einzigartige Porzellantische, deren Tischplatten frei gedreht werden, Vasen und Potpourri-Vasen (Modell-Nummer P4127/1-337-N), Uhren (Modell-Nummer P108-A-337-N) und Tafelaufsätze (Modell-Nummer P7084-337-N), die teilweise auch noch auf passenden Sockeln stehen, und nicht zuletzt durch die Dosen und Schalen wird der Raum- und Tafelschmuck dann vervollständigt.

 

Nur durch sorgsamste Fertigung und Sensibilität des Brandes können die Schwierigkeitsgrade bei der Gestaltung der Formen, des typischen Blumenbelages und der charakteristischen Malerei dieses einmaligen Sortiments gemeistert werden.

 

Die gute wirtschaftliche Lage der Manufaktur wurde durch die beiden Weltkriege jäh unterbrochen. Jahrzehntelange Exportbeziehungen zerbrachen und das Unternehmen geriet in Schwierigkeiten. Da man aber neben der Herstellung von Luxusporzellan noch immer pharmazeutisches und medizinischen Porzellan produziert hatte, konnte der Betrieb überleben. Allerdings war die Anzahl der Beschäftigten von 400 im Jahre 1919 auf 86 im Jahre 1932 gesunken.

 

1938 wurden, nach einer baulichen Erweiterung der Fabrik, die beiden Betriebsteile wieder in PLAUE vereint. Nach dem zweiten Weltkrieg war Geschirrproduktion vordringlich, doch bereits wenige Tage nach Kriegsende nahm man auch die Fertigung von Luxusporzellan wieder auf.

 

Das heutige Manufakturprogramm drückt immer noch Vielseitigkeit und Können aus. Die in der PORZELLANMANUFACTUR PLAUE überkommenen, bis dato angewandten Techniken sind nahezu konkurrenzlos und die anspruchsvolle Artikelvielfalt ist ob ihres heutigen Seltenheitswertes überall gefragt. So werden Lithophanien heutzutage von anderen Manufakturen kaum noch hergestellt. Die erfahrenen Spezialisten von PLAUE erhalten diese Kunst und führen dieses Erbe mit neuen Themen und Motiven auch in Zukunft fort.

 

Quelle: http://www.porzellanmanufactur-plaue.com